Pluto und sein Schattenreich

Die Kunstreligion ist eine Weltanschauung, die alle Menschen einschließt, ohne Ausnahme. Jetzt und überall ist der Mensch durch seine Individualität, der einen ihn bestimmenden Idee schon Teil des Ideekosmos der Universen. Der Mensch ist aber auch ein reines Naturwesen im Reich des Pluto 1), im Reich der Gewalt, im Reich der Notwendigkeit und der praktischen Kunst. Im Reich der Artemis, wo seine Entelechie die Zügel in der Hand hält, im Reich der Freiheit, im Reich der ästhetischen Vernunft kann er mit den Dingen spielend die nächste Wiederverzauberung einleiten. Hierbei bedient er sich auch der apollinischen Methode, um zu den Prinzipien der Natur vorzustoßen. Nicht nur der anstehende Epochenwechsel verlangt nun aber die verstärkte Durchsetzung der Prinzipien der Metaphysik im Herrschaftsgebiet des Hades. Auch sein Vordringen bis weit in das vorher von Apollo beleuchtete Gebiet muß Folgen haben. Das er den menschlichen Körper mit einem Verfallsdatum versieht und peinlich genau auf die Einhaltung der Terminvorgabe achtet, daß ist in Ordnung. Aber, daß er bis weit hinein in dessen Geistesleben seine abtötende Macht noch zu Lebzeiten des mit Vernunft veranlagten Naturwesens hineinträgt, das geht zu weit und ist durch das schon am Horizont auftauchende Menschenbild der geistig absolut freien, also lebendigen, reinen Individualität, von der Evolution als völlig überholt abgelegt worden. Jetzt fehlen nur noch die entsprechenden Ästhetisierungsvorgänge. Das Lernmodul Griechische Götterwelt ist in Vorbereitung. Goetheanistische essayistische Kurzfassungen zu dem hier besprochenen Thema werden unregelmäßig am gleichen Ort eingestreut.
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1) S. 41, 47, 111. Götterlehre oder mythologische Dichtungen der Alten. Zusammengestellt von Karl-Philipp Moritz, Unger, Berlin 1791. Digitalisiertes Replikat unter www.deutschestextarchiv.de

Hygieia und Ares bringen gemeinsam den Goethe hervor

Für ein Leben in der Goethea, in dem Goethe: Das Prinzip der Reinheit und das Prinzip der Veränderung sind notwendige Voraussetzungen für eine Erkenntniskunst, die letztendlich wieder zur Natur werden will. Im plutonischen Schattenreich des Unteren Ichs, der reinen Naturwesen, herrscht der permanente Kriegszustand. Kein einziges von diesen Lebewesen wird je die Styx überwinden und selbstherrlich in der Akashachronik des Äthers aufgenommen. Nur der Hades wird für sie Platz haben. Gelingt es der rein praktisch tätigen Entelechie das Untere Ich zu verwandeln, voll und ganz für seine Lebensaufgabe zu begeistern, dann wird es ein Teil des Großen Planes, vereinigt sich mit dem ätherischen Kind und die Erinnerung an es wird nie mehr verloren gehen. Selbst die Wiederverkörperung der Persönlichkeit wird im Laufe der Erdenentwicklung möglich sein. Wie, Sie können das alles nicht denken? Nun, erst das Aufwachen zu der Goethea oder dem Goethe in Ihnen öffnet den Blick auf die Freiheitsebene der Möglichkeit, von wo aus der dialektische Zugriff auf alle Aspekte des Lebens überhaupt erlaubt ist. Die Wirklichkeit als die Welt des objektiven Wissens ist hierfür zwar die unbedingte Voraussetzung, aber nicht das Ende des Erkenntnisprozesses. Noch weniger ausreichend ist die erste und die zweite Freiheitsebene der reinen Empfindungen und Wahrnehmungen, obwohl auch diese eine fundamentale Funktion auf dem Weg zur ästhetischen Poetologie erfüllen.