Der nächste Entwicklungsschritt ist ein moralischer

Stellungnahme der Goetheanisten (Partei für Kulturgerechtigkeit): Kunstreligion und Ästhetik
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Im antiken Griechenland praktizierten die Bewohner von Attika nach Hegel die Kunstreligion natürlich und unschuldig wie Kinder. Auch die Wissenschaft von der Polis wurde herrlich naiv ausgeführt, direkt-demokratisch und lernend im Handeln. Dann brach das freiheitliche Selbstexperiment der Menschheit ab. Erst mußte die Ästhetik erfunden werden, um theoriebewußt und gegründet auf dem entfremdenden, aber absolut notwendigen Christentum, erneut die Naturwirklichkeit mit der Kunstwahrheit zu erlösen. Und wieder steht das vernünftige Wesen vor dem Scherbenhaufen, der durch seine politische Unfähigkeit entstanden ist, erneut soll es von sich selbst ablassen, um einer nihilistischen Transzendenz die Vormachtstellung zu übergeben. Obwohl Kant und Goethe den Weg zur evolutionären Selbstüberschreitung beispielhaft gegangen sind, und sie viele geistige Nachfahren hatten, steht der Sprung in die nächste Epoche, die Annahme der entscheidenden seelischen Geisteshaltung noch aus. Wie zur Zeit eines Homer, wie in der Odyssee und in der Ilias, aber wissenschaftlich abgesichert und ästhetisch mit der universellen Idee verwoben hat heute die souveräne Individualität ihre tiefe Erfahrung zum lebendigen Epos zu verwandeln. So erst kann eine neue, erkenntnisreligiöse Moral entstehen, die paradoxerweise Wahlfreiheit und reine Notwendigkeit verbindet oder nach Goethe das Unbedingte mit dem Bedingten in Freiheit vereint.

Pluto und sein Schattenreich

Die Kunstreligion ist eine Weltanschauung, die alle Menschen einschließt, ohne Ausnahme. Jetzt und überall ist der Mensch durch seine Individualität, der einen ihn bestimmenden Idee schon Teil des Ideekosmos der Universen. Der Mensch ist aber auch ein reines Naturwesen im Reich des Pluto 1), im Reich der Gewalt, im Reich der Notwendigkeit und der praktischen Kunst. Im Reich der Artemis, wo seine Entelechie die Zügel in der Hand hält, im Reich der Freiheit, im Reich der ästhetischen Vernunft kann er mit den Dingen spielend die nächste Wiederverzauberung einleiten. Hierbei bedient er sich auch der apollinischen Methode, um zu den Prinzipien der Natur vorzustoßen. Nicht nur der anstehende Epochenwechsel verlangt nun aber die verstärkte Durchsetzung der Prinzipien der Metaphysik im Herrschaftsgebiet des Hades. Auch sein Vordringen bis weit in das vorher von Apollo beleuchtete Gebiet muß Folgen haben. Das er den menschlichen Körper mit einem Verfallsdatum versieht und peinlich genau auf die Einhaltung der Terminvorgabe achtet, daß ist in Ordnung. Aber, daß er bis weit hinein in dessen Geistesleben seine abtötende Macht noch zu Lebzeiten des mit Vernunft veranlagten Naturwesens hineinträgt, das geht zu weit und ist durch das schon am Horizont auftauchende Menschenbild der geistig absolut freien, also lebendigen, reinen Individualität, von der Evolution als völlig überholt abgelegt worden. Jetzt fehlen nur noch die entsprechenden Ästhetisierungsvorgänge. Das Lernmodul Griechische Götterwelt ist in Vorbereitung. Goetheanistische essayistische Kurzfassungen zu dem hier besprochenen Thema werden unregelmäßig am gleichen Ort eingestreut.
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1) S. 41, 47, 111. Götterlehre oder mythologische Dichtungen der Alten. Zusammengestellt von Karl-Philipp Moritz, Unger, Berlin 1791. Digitalisiertes Replikat unter www.deutschestextarchiv.de