Ging Nietzsche an der Vielfalt zugrunde?

Sein Tod Gottes, seine Zerschneidung der absoluten Einheit heißt nur, daß der positivistische Gott verloren gegangen ist und nicht, daß das Urphänomen gänzlich verschwunden ist! Dies wäre auch naturgesetzlich und geisteswissenschaftlich garnicht möglich. Sein angeblicher Nihilismus war gerade das Gegenteil: seine Bekämpfung durch die Anbindung der Kunst an das jeweilige besondere Leben. Die Blickrichtung wurde geändert (periagoge)! Die einseitige, reaktionäre Sicht nur auf das geistliche Ganze ohne die irdische Vielfalt zu berücksichtigen, wich der ästhetischen Anschauung. Das kollektivierende Ganze mußte nun in den Naturtatsachen untergehen und diese in seinem Sinne situativ qualifizieren. Nietzsche als Anwalt der zahllosen Aspekte einer Ganzheit, die sich der Hyle verpflichtet weiß, die nur in einer Individualität verlebendigt wird, verlor bei seinem Selbstexperiment wohl den Ariadnefaden, als er in die Tiefen seines nichtbewußten Anteils hinabstieg. Sein tragisches Leben hat dem deutschen Idealismus aber den Impuls gegeben, der ihn wieder so verjüngte, daß er ihn, durch Rudolf Steiner wiederentdeckt, endgültig in der Hyle seine Objekte entstehen lassen konnte. Nietzsche, Du bist einer der größten geistigen Vorfahren des Goethevolkes. Immer werden wir Deiner gedenken.