Im Dokusanraum: Der Tod ist eine Erfahrung wie jede andere auch (mit Video)

Schneeflocken fallen nicht auf ungehörige Stellen oder YUKI BESSHO NI OCHIZU: Wie schon mehrfach geschrieben, wird in der 6. Kulturepoche die Dharma – Übertragung, die Bestätigung der wahren Selbsterkenntnis im Zen – Buddhismus, nicht mehr von einem vom Mönch getrennten, sinnlich erfahrbaren Meister ausgesprochen, sondern vom transzendentalen Höheren Ich, dem eigenen absoluten Entwicklungsziel. Den Grad der geistigen Metamorphose der Vereinigung mit dem Ganzen kann der Adept nach einer bestimmten Zeit des ständigen sich Bemühens selbst erkennen. Hier nun wieder ein Meister – Schüler – Gespräch für das Zugrundeliegende, um eine permanente, wachsame Seelenhaltung zu erzeugen, um in jeder Situation jenseits von Gut und Böse das Gegebene intuitiv, erkenntniskünstlerisch gestalten zu können. Also, Yakusan wurde im 8ten Jahrhundert nach Christus in China einmal von dem Zen – Schüler Ho besucht. Auf dem Rückweg begleiteten ihn einige Mönche hinaus. Am Tempeltor sagte Ho: “Wie wunderbar sind doch Schneeflocken – keine fällt auf den Platz einer anderen”. Ein Mönch aber fragte dann: “Wohin fallen sie?” Sogleich erhielt er einen Schlag auf die Wange, so als ob damit gesagt werden sollte: “Hierhin!” So entstand diese immer wieder erzählte Begebenheit. Die blasphemische, intellektuelle Zerstörung der heiligen Handlung des Schneeflockenfallens, die analytische Zergliederung des zu einem lebendigen Ganzen verschmolzenen Geschehens, die Rückverwandlung des durch den zeigenden Wortgebrauch aufgetauchten mythologischen Bildes in einen kalten Begriff mußte auf diese Weise sanktioniert werden. Jedes Phänomen gehört zu genau diesem Augenblick, hat genau diese Zeit, diesen Ort. Das Phänomen und nur das Phänomen will so und nicht anders dankbar wahrgenommen werden. An der Welterscheinung ist nicht ungehöriges, ist nichts von zu spät oder zu früh, ist nichts von Falsch oder Richtig, ist nichts von Gut oder Böse. Jedes Objekt hat ein vom Ganzen verbrieftes Recht darauf, so behandelt zu werden, wie es seinem Wesen entspricht. Und jetzt zu Achill und Hektor vor Troja. Achtung grausame Szenen! Dieser Video-Clip steht nicht für die Befürwortung des Tötens, sondern für dessen dauerhafte Überwindung! Zuerst aber gilt es das barbarische Handeln als solches nichtpositiv zu bejahen, um es dann erkenntnskritisch in der Evolution der Moral durch die sinnlich-sittliche Kunstrevolution aufzuheben! (wird fortgesetzt)

Im Dokusanraum: Der Zen – Meister ist der Adept

Wer sich ständig im ganzheitlichen Dokusanraum befindet, wer jeden Augenblick das Koanbewußtsein pflegt, der befindet sich immer wieder neu im Stadium der kunstreligiösen Nicht – Zweiheit, der königlichen Hochzeit. Sie oder er lebt abschiedlich und hoffnungsfroh zugleich. Sie oder er hat die Seelenhaltung angenommen, wo jede Tätigkeit zum Stillstand gekommen ist, wo jede Untätigkeit ein Ende gefunden hat. Das Leben, der Weg und die Wahrheit sind nun ein sich selbst entwickelndes Werk. Die Ethik, Politik, Privatheit und Religion verlieren ihre tradierten Bezüge. Kunst und Wissenschaft werden zur menschheitlichen, wahren Religion, der erkenntnisgeleiteten evolutionären Tat. Nicht – Zweiheit heißt nicht Nicht – Zweiheit, sonder Nicht – Zweiheit in der Zweiheit, Einheit in der Vielfalt. Auch das Untere Ich und das Höhere Ich sind nicht getrennt, obwohl sie den verschiedenen Seinsbereichen zugeordnet werden. Das Abbild und das Urbild stehen sich gegenüber wie der Mond und die Sonne. Artemis und Apollon. Wo ist der Zen – Meister, wo ist der Adept? Allein die Wachsamkeit bleibt!

Im Dokusanraum: Lebendige und tote Worte (mit Video)

Dogen Zenji: “Doch, obwohl es sich so verhält, fallen Blüten einfach inmitten unserer Sehnsuch herab und Unkraut sprießt inmitten unserer Abneigung empor.” 1) Weg – Übende, die Praxis der angewandten Ethik Vollziehende, nach der absoluten Wahrheit Strebende halten unaufhörlich die Standarte der Buddha – Gleichheit aufrecht. Nie trennen sie das Nirvana vom Samasara und können es trotzdem unterscheiden. Nie wollen sie auf den Duft der Blüten je verzichten, das Bild ihrer fragilen Anmut je missen. Ihr Dahinwelken ist aber nicht zu verhindern. Dogens Worte werden wieder zu einer lebendigen Ganzheit durch einen bildhaften Zugang oder erstarren im dualistischen Mechanismus einer Interpretation. Und weiter, die Blüten fallen nie, auch wenn sie fallen, das Unkraut sprießt nie, auch wenn es sprießt. Und weiter, habt Sehnsucht, aber hängt nicht daran, damit die Blüten nicht fallen und habt eine Abneigung gegen Unkraut, aber hängt nicht daran, damit es nicht sprießt. Es folgt ein Video des Zen – Centre of Vancouver zu finden unter www.zen.ca. 1) Shobogenzo Sankyu. Ein Kommentar zu Dogen Zenjis Genjokoan. Hakuun Yasutani. Enso Verlag, 2010.