Brombeerblüten: Das Eidos. Sinnlich – übersinnlich

Gut, daß es das Eidos, das Höhere Ich, gibt. Damit ist eine Wissenschaft des Besonderen, der Goetheanistik, eine ganzheitliche Selbstkonstruktion auf vernünftiger Basis möglich. Also, wo befindet sich das Eidos? Schon Empedokles teilte das Ganze in vier Bereiche: Erde, Wasser, Luft und Feuer. Nur im Menschen finden alle vier zusammen. Im Feuer des Geistes wird alles verbrannt, aber aus ihm heraus auch alles neu gestaltet. Das Eidos ist die Formkraft, das Prinzip, die Ordnungseinheit, die das Wie des Auftretens einer Individualität bestimmt. Das Eidos ist für die Art und Weise des Zusammenhanges, die Verknüpfung der Teile zu einem Ganzen verantwortlich. Das Eidos ist reine Aktivität, Gestaltungskraft, Dynamik. Das Eidos, als besondere Form, als das tode ti, als das konkrete Etwas, steht einmal im Gegensatz zum Gattungswesen, dem allgemeinen Menschengeist, dem Christus, es steht zum anderen im Gegensatz zur Hyle, der irdischen Form und als allgemeine, dynamische Form, steht es im Gegensatz zur Wirklichkeitsform, der Energeia. Die Entelechie ist die aktuelle Verwirklichung des Eidos. Der Goethe ist die begrifflich – bildliche Verwirklichung des Eidos in der erkenntniskünstlerischen Handlung der jeweiligen poetologischen Evidenz.