Brombeerblüten: Ich werde es nicht sagen!

(1008) +++ Natur +++ Nicht-geboren, nicht-vergehend 1), das ist die seelische Haltung der Aktivist-innen der Roten Garde, die an vorderster Front mit Kind und Gewehr für die Inkarnation von Neu-Weimar in der Imagination kämpfen. Meister Tao-wu tritt vor sie hin und verabschiedet sich von der Musterschüler-in Briseis, die bei einem Feldzug in den empfindenden Sümpfen der Styx fiel. “Achilles, rief er laut aus, ich werde es nicht sagen!” Trotz der Trauer, die auch ihn in diesem Augenblick erneut übermannte, blieb er bei dieser rituellen Aussage. Daraufhin raschelten alle in Reih’ und Glied stehenden Zuhörer-innen mit den hochgehaltenen weißen Fahnen aus Papier mit der Aufschrift “Zeus, erwirke eine Freigabe der Briseis” und stöhnten: “Oh, Briseis, Du bist die tapferste von uns, dies zeigt sich allein darin, daß der Halbgott Achilles Dich zur Frau nimmt, sobald Du wieder durch einen Gnadenakt des Blitzgottes erscheinen darfst.” Nein, Meister Tao-wu darf es und kann es auch nicht sagen, daß sie von ihm gegangen ist, denn es gibt keinen Kausalzusammenhang zwischen der Natur und dem Geist in der Wirklichkeit der energeia. Dieser besteht nur in der Raum-Zeit des Scheins. Jedes Weltphänomen hat seine eigene Zeit und seinen eigenen Ort in und wo es erscheint. Nicht geht das eine in das andere über. Nihilismus und Ewigkeitsglaube können sich in der Leerheit nicht vergegenständlichen. Natur und Geist müssen in ihrer eigenen Zeit erfaßt werden, damit das gegenwärtige Ganze fühlbar wird, in dem Briseis immer noch zugegen ist. Auf diese Weise wird unser Gemüt zu dem der Achillea oder des Achilles. #Brombeerblüten, #Zen, #FreeIndividualität, (wird fortgesetzt)
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1) Hakuun Yasutani. “Shobogenzo Sankyo. Genjokoan. Ein Kommentar zu Dogen Zenjis Genjokoan.” Enso-Verlag. Frankfurt, 2010. Seite 108 ff..

Der Naturgewalt widerstehen. Die purpurfarbene Morgensonne Eos anstreben

Mit der purpurfarbenen Morgensonne Eos 1) kommt uns Achilles in geschmückter, glänzender Rüstung auf seinem Kampfwagen entgegen. Hinter ihm folgt das Entsatzheer fest entschlossen unser Anliegen, die nächste Kulturepoche einzuleiten, zu unterstützen. Der Christus 2) will sich in dieser als Goethe, als reine praktische Vernunft offenbaren, nachdem er sich schon machtvoll als reines Verstandesdenken etabliert hatte. Erschienen als reine beeindruckende Bilderbild, will die Natur nun den Menschen vollkommen freilassen und ihn dazu ermächtigen, seine Kunst wieder zur Natur werden zu lassen. Damit schließt sich der Erkenntniskreislauf, der im Biologischen begann, im Seelischen fortgeführt wurde und nun im Geisteswissenschaftlichen menschenwürdig, erkenntniskritisch und erkenntnispraktisch von der Individualität beendet wird. Moral, Wissenschaft und Kunst haben wieder zusammengefunden. Die Grundlage für den ästhetischen Stadtstaat ist geschaffen worden. Das Recht des Stärkeren mußte der Herrschaft durch Freiheit weichen.
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1) Wer ist die Titanide Eos, die mit einem eigenen Streitwagen an der Heerstraße nach Neu-Weimar geduldig wartet? Könnte sie nicht die sich ständig erneuernde Einheit von Individualität und Entelechie sein, ein besonders liebenswürdiger Bestandteil des immerwährenden Epos der allen Dingen zugrundeliegenden Wirklichkeit?
2) Der Christus ist das Leben, der Weg und die Wahrheit. Wird der Aspekt der Wahrheit gewählt und ihr Aufstieg bis zur Erkenntniskunst, dann identifiziert sich die Adeptin, der Adept letztendlich mit der moralischen Evolution, die in der Objektwelt “sozialplastisch” auftritt.

Im Dokusanraum: Der Tod ist eine Erfahrung wie jede andere auch (mit Video)

Schneeflocken fallen nicht auf ungehörige Stellen oder YUKI BESSHO NI OCHIZU: Wie schon mehrfach geschrieben, wird in der 6. Kulturepoche die Dharma – Übertragung, die Bestätigung der wahren Selbsterkenntnis im Zen – Buddhismus, nicht mehr von einem vom Mönch getrennten, sinnlich erfahrbaren Meister ausgesprochen, sondern vom transzendentalen Höheren Ich, dem eigenen absoluten Entwicklungsziel. Den Grad der geistigen Metamorphose der Vereinigung mit dem Ganzen kann der Adept nach einer bestimmten Zeit des ständigen sich Bemühens selbst erkennen. Hier nun wieder ein Meister – Schüler – Gespräch für das Zugrundeliegende, um eine permanente, wachsame Seelenhaltung zu erzeugen, um in jeder Situation jenseits von Gut und Böse das Gegebene intuitiv, erkenntniskünstlerisch gestalten zu können. Also, Yakusan wurde im 8ten Jahrhundert nach Christus in China einmal von dem Zen – Schüler Ho besucht. Auf dem Rückweg begleiteten ihn einige Mönche hinaus. Am Tempeltor sagte Ho: “Wie wunderbar sind doch Schneeflocken – keine fällt auf den Platz einer anderen”. Ein Mönch aber fragte dann: “Wohin fallen sie?” Sogleich erhielt er einen Schlag auf die Wange, so als ob damit gesagt werden sollte: “Hierhin!” So entstand diese immer wieder erzählte Begebenheit. Die blasphemische, intellektuelle Zerstörung der heiligen Handlung des Schneeflockenfallens, die analytische Zergliederung des zu einem lebendigen Ganzen verschmolzenen Geschehens, die Rückverwandlung des durch den zeigenden Wortgebrauch aufgetauchten mythologischen Bildes in einen kalten Begriff mußte auf diese Weise sanktioniert werden. Jedes Phänomen gehört zu genau diesem Augenblick, hat genau diese Zeit, diesen Ort. Das Phänomen und nur das Phänomen will so und nicht anders dankbar wahrgenommen werden. An der Welterscheinung ist nicht ungehöriges, ist nichts von zu spät oder zu früh, ist nichts von Falsch oder Richtig, ist nichts von Gut oder Böse. Jedes Objekt hat ein vom Ganzen verbrieftes Recht darauf, so behandelt zu werden, wie es seinem Wesen entspricht. Und jetzt zu Achill und Hektor vor Troja. Achtung grausame Szenen! Dieser Video-Clip steht nicht für die Befürwortung des Tötens, sondern für dessen dauerhafte Überwindung! Zuerst aber gilt es das barbarische Handeln als solches nichtpositiv zu bejahen, um es dann erkenntnskritisch in der Evolution der Moral durch die sinnlich-sittliche Kunstrevolution aufzuheben! (wird fortgesetzt)